Die Preisträger des 27. Internationalen KurzFilmFestivals Hamburg
Wahrlich meisterhaft: der kurze Film
Alle Preisträger des 27. Internationalen KurzFilmFestivals Hamburg 2011
Es gibt viele gute Gründe, den Kurzfilm gebührend zu feiern. Mit dazu gehören auf jeden Fall die Preisträger des 27. Internationalen KurzFilmFestivals Hamburg, die heute Abend gekürt wurden. Unter ihnen ist ein meisterhaftes Debüt: Für ihren Abschlussfilm For You I Will Fight wird die belgische Regisseurin Rachel Lang mit dem Jurypreis des Internationalen Wettbewerbs (Hamburger Kurzfilmpreis) ausgezeichnet.
Zu beeindrucken wussten auch die Gewinner der Jury- und Publikumspreise im Deutschen Wettbewerb, NoBudget-Wettbewerb, Flotter-Dreier-Wettbewerb sowie der wettbewerbsübergreifenden Preise von ARTE und ZDF_neo. Außerdem applaudieren wir den Preisträgern des 12. Mo&Friese KinderKurzFilmFestivals, die von zwei Kinderjurys ausgewählt wurden.
Ein echter Gewinn war in diesem Jahr unser neues Festivalzentrum: Die Meisterwerkstatt wurde wie erhofft der zentrale und viel besuchte Anlaufpunkt für die akkreditierten Fachbesucher, das neugierige Publikum und die Teammitglieder. Unsere zahlreichen Veranstaltungen auf dem Gelände in der Friedensallee 128 waren sehr gut besucht. Und auch unsere Open Airs bewiesen aufs Neue, wie groß das Interesse am kurzen Film ist: Viele Zuschauer kamen trotz des unzuverlässigen Hamburger Sommerwetters, um mit Kurzfilmen der den für die Jahreszeit etwas zu frischen Temperaturen zu trotzen.
Wer während der Festivalwoche einen der ausgezeichneten Filme verpasst hat oder alle Preisträgerfilme am Stück sehen möchte, hat am Montag, den 13. Juni 2011 die Möglichkeit zur filmischen Nachbereitung: in den zeise Kinos zeigen wir um 19:45 Uhr alle Preisträgerfilme noch einmal.
Folgend alle Preisträgerfilme und Begründungen der Jurys. Fotos der Preisträger finden Sie im Pressebereich auf unserer Website: http://festival.shortfilm.com
Internationaler Wettbewerb
Die Jury: Elisabeth Bronfen, Jan Harlan, Marie Kjellson, Gordan Radovanovic, Iris Rottschäfer
Hamburger Kurzfilmpreis (Jurypreis des Internationalen Wettbewerbs, 3000 Euro)
For You I Will Fight (Pour toi je ferai bataille)
Rachel Lang, Belgien 2010, 21:00 min., Kurzspielfilm
Begründung:
Nach dem Empfinden der Jury ist dieser Film in seinem Anliegen erfolgreich, uns das Leben einer jungen, verlorenen und verzweifelten Frau nahe zu bringen, die ihr Heil schließlich in der Armee sucht. Ein runder und gut erzählter Debütfilm, der durch Regie, Photographie und Schauspiel beeindruckt.
Lobende Erwähnung der Jury:
I'm Not the Enemy
Bjørn Melhus, Deutschland 2011, 12:50 min., Experimentalfilm
Es ist zutiefst bewundernswert, sich einem solch ernsten Thema um psychische Krankheit und Nachkriegstrauma in einem sehr innovativen visuellen Stil zu widmen. Dies war der einzige Film im Wettbewerb, der sich diesem so zeitlosen wie unumgänglichen Anliegen verschreibt.
Publikumspreis (1500 Euro),
wettbewerbsübergreifend vergeben an einen Film aus dem Internationalen und Deutschen Wettbewerb
Las Palmas
Johannes Nyholm, Schweden 2011, 13:30 min., Kurzspielfilm
NoBudget Wettbewerb
Die Jury: Diana Linz, Andrea Martignoni, Kyros Kikos
No Budget Jurypreis (2000 Euro)
Monkey Spa
Dragan Zivancevic / Dragan Matic / Zeljko Piskoric, Serbien 2011, 20:11 min., Dokumentarischer Kurzspielfilm
Begründung:
Eine schöne, witzige Idee, Flausen im Kopf, ein feines Gespür für Bilder, Kamera und Dramaturgie, ein Soundtrack, der die Bildspur perfekt unterstützt, und das alles eingebettet in einem Zusammenhang, der das eigene Land gesellschafts- und energiepolitisch hinterfragt. Realisiert mit minimalem technischen Aufwand und finanziellen Mitteln. Ein No-Budget-Film par excellence.
Lobende Erwähnungen der Jury
Stuck in a Groove
Clemens Kogler, Österreich 2010, 4:10 min., Experimentalfilm
Die Minimalanimation erzählt Geschichten aus der Zeit, als die Bilder laufen lernten. Mit feinem Humor und recht einfachen Apparaturen wird ein größtmöglicher Eindruck erzielt.
Circle
Minna Parkkinen, Finnland 2010, 7:40 min., Experimentalfilm
Kurz vor dem Kitsch liegt die Poesie. Das Geheimnis einer offensichtlich sehr persönlichen Auseinandersetzung der Filmemacherin bleibt über das Ende des Films hinaus gewahrt und hinterlässt trotzdem eine verwirrende Melancholie, der man sich nur schwer entziehen kann.
Sailor & Son (Schipper en Zoon)
Loeske Bult, Niederlande 2010, 19:53 min., Dokumentarfilm
Eine Dokumentation mit rudimentärsten Mitteln. Einfache Einstellungen, eine dezente Kamera und der Verzicht auf Schnickschnack und Effekte lassen die bewegende Beziehung zwischen einem alten Seemann und seinem geistig behinderten Sohn unaufdringlich in den Vordergrund rücken.
Gabi oder zwei Farben Gelb
Per Olaf Schmidt, Deutschland 2011, 24:00 min., Kurzspielfilm
Vielleicht wollen wir diesen Film nie wieder sehen, aber wir werden ihn nie vergessen: Trash für Fortgeschrittene. Zäh, sperrig und mit einem ellenlangen, mantraartigen Monolog mit nur einem Wort: Mama. Konsequent bis zur Qual.
No Budget Publikumspreis ›Der optimistische Durchblick‹ (1500 Euro)
The Streets of the Invisibles
Remo Rauscher, Österreich 2010, 11:15 min., Experimentelle Animation
Deutscher Wettbewerb
Die Jury: Andrea Hohnen, Jörn Staeger, Gerald Weber
Jurypreis (2000 Euro)
Daheim
Olaf Held, Deutschland 2011, 30:00 min., Kurzspielfilm
Begründung:
Die Geschichte von einem, der aus den erzgebirgischen Wäldern auszieht, um sein Stück vom Kuchen zu suchen. Daheim ist, wie der Titel sagt, ein Film über Heimat, der mit lakonischem Humor, wenigen Worten und wunderbar passender Musik von Abschied, Heimweh und Rückkehr erzählt. Dieses kleine Juwel aus Chemnitz zeugt von großer kinematografischer Bewusstheit, nutzt die originären Mittel des Kinos, indem er in Bildern erzählt, ökonomisch im Umgang mit Zeit und Rhythmus. Und so kommt es, dass ein deutscher Film - mit ausgeprägtem sprachlichem Regionaleffekt - weltweit verständlich ist.
Lobende Erwähnung:
Die Frau des Fotografen
Philip Widmann / Karsten Krause, Deutschland 2011, 29:30 min., Dokumentarfilm
Schillernd, vielschichtig und nachhaltig irritierend: Die Frau des Fotografen kreist um die zentralen Themen Zeit und Vergänglichkeit. In seinem fast manischen Archivierungsdrang versucht der titelgebende Hobbyfotograf, die Zeit festzuhalten. Seine Frau hingegen "verkörpert" im Wortsinn die Schönheit vergehender Zeit und stellt dabei unser Bild von Frau in Frage: Darf ein alternder Körper begehrenswert bleiben? Und darüber hinaus entdecken wir, fast überrascht, die schönste Dimension der Zeit: eine lebenslange Liebesgeschichte.
Hamburger Wettbewerb
Hamburger Publikumspreis präsentiert von Pilsner Urquell (1500 Euro)
Wie ein Fremder
Lena Liberta, Deutschland 2010, 23:30 min., Kurzspielfilm
Flotter Dreier Wettbewerb: Thema "Deutsch"
Publikumspreis ›Der Flotte Dreier‹ (1000 Euro), gefördert von der Hamburgischen Kulturstiftung
Felix...
Anselm Belser, Deutschland 2010, 0:43 min., Kurzspielfilm
arte-Kurzfilmpreis
Die Jury: Sabine Brantus, Barbara Häbe
arte-Kurzfilmpreis (6000 Euro). Der Preis beinhaltet die Ausstrahlung auf arte.
Warisover
Carlos Morelli, Deutschland 2010, 9:00 min., Kurzspielfilm
Begründung:
Der Kurzfilm Warisover überzeugt durch seine Einfachheit und Klarheit; mit minimalem Aufwand realisiert, bringt er ein zutiefst menschliches Drama auf den Punkt. Ebenso eindringlich wie präzise beherrscht der Regisseur Carlos Morelli die Kunst, ein politisches und humanitäres Anliegen in der kürzesten Filmform umzusetzen. Wir gratulieren dem Regisseur zu dem Werk und freuen uns, den arte-Kurzfilmpreis überreichen zu dürfen.
ZDF_neo-Preis
Die Jury: Angelika Hoffmann, Andrea Eisel
ZDF_neo-Preis (1000 Euro) Die Ausstrahlungsrechte werden von ZDF_neo zu einem Minutenpreis von 200 Euro erworben.
Manolo
Robert Bohrer, Deutschland 2010, 18:30 min., Kurzspielfilm
Begründung:
"Bomber-Mike", König der Neuköllner Arschbomber, schleppt seinen verschüchterten Cousin Manolo ins Reich der unerfüllten Sehnsüchte Pubertierender - ins Freibad. Als der 12-jährige ohne sein Zutun Teil des Spiels um Mädchen, Aufmerksamkeit, Eifersucht und Rivalität wird, fordert ihn sein Cousin heraus und Manolo steht plötzlich vor einer zehn Meter hohen Bewährungsprobe. Robert Bohrers Coming-of-Age-Geschichte zeigt uns einen Mikrokosmos, der seine eigenen Regeln hat. Maximale Wasserverdrängung führt zu maximaler Aufmerksamkeit. Doch Kameraführung und dramatische Kranfahrten lassen schnell vermuten, wer hier der eigentliche Held ist. Dabei überzeichnet Robert Bohrer seine Figuren zwar, gibt sie aber nie der Lächerlichkeit preis. Gleichzeitig rührt er dabei mit Leichtigkeit einen Sommer-Sonne-Tex-Mex-Sound-Cocktail zusammen, an dem man sich berauschen kann. Vor- und Abspanndesign zitieren ein bisschen Almodovar hier, ein bisschen James Bond da - außergewöhnlich ausgelassen und aufreizend.
Mo&Friese KinderKurzFilmFestival
Diese Preise werden von den beiden Kinderjurys vergeben.
Mo-Preis gestiftet von GEOLino (Jurypreis 1250 Euro, ab 9 Jahre)
Kreide (Chalk)
Martina Amati, Großbritannien 2010, 18:00 min., Kurzspielfilm
Begründung:
Dieser Film hat uns sehr beeindruckt und uns gut gefallen, weil er sehr schwungvoll erzählt war und einen sehr schönen Stil hatte. Die Bilder waren sehr faszinierend, weil sie ein ruhiges Bunt hatten. Die Freundschaft, die auf und ab und durch Krisen ging, hat uns mitreißend in den Bann gezogen.
Friese-Preis gestiftet von Springer Bio-Backwerk (Jurypreis 1250 Euro, 4 bis 8 Jahre)
Ente, Tod und Tulpe
Matthias Bruhn, Deutschland 2010, 10:00 min., Animation
Begründung:
Dieser Film hat uns am besten gefallen, weil er eine schöne und ein bisschen traurige Geschichte erzählt, in der man Mitgefühl für die Ente und auch für den Tod bekommt. Die tollen Animationen und die Musik passen gut zu der Geschichte. Die Ente ist sehr witzig und der Tod ruhig, am Ende hat man gemerkt, dass der Tod die Ente gerne gemocht hat.
"Gib mir fünf!"-Wettbewerb
(600 Euro, gestiftet von GEOlino, vergeben von der Mo-Jury und der Friese-Jury)
1. Preis (300 Euro): Tanzwaffe
Carl Albrecht, Deutschland 2011, 5:00 min., Animation
Der Film ist sehr lustig, und wir hatten großen Spaß beim Anschauen. Besonders witzig war der Tiger als Fernsehreporter. Die Musik in den Tanzszenen hat uns gefallen, und es gibt in dem Film eine witzige Liebesgeschichte.
2. Preis (200 Euro): Fluch des Pharaos II
Midas Kempcke, Deutschland 2010, 2:19 min., Animation
An diesem Film hat uns besonders die technische Umsetzung gefallen. Die Animation der Playmobilfiguren war ziemlich professionell, man kann sehen, dass viel Arbeit in den Film gesteckt wurde.
3. Preis (100 Euro): Aquarell-City 3900
Moviebande Donauwörth, Deutschland 2010, 5:00 min., Animation
Das Drehbuch hat uns gut gefallen und die Musik hat sehr gut zu der Geschichte gepasst. Die Kulissen der Stadt waren sehr schön und man hat gesehen, wie viel Mühe sich die Filmemacher damit gemacht haben.
03:48:00 - 12.06.2011